Wir sind die „Neuen“

Seit Mai sind jetzt insgesamt acht Menschen in Nußdorf zuhause, die aus ihrer eigentlichen Heimat fliehen mussten. Nein, es sind nicht die Damen in der Burka, die ab und an dem Park einen Besuch abstatten (die wiederum sind Begleitungen von Gästen des Nußdorfer Hofs). Es handelt sich um zwei Familien und zwei junge Männer, die alle aus Afghanistan geflohen sind. Wir möchten die „Neuen“ einfach mal vorstellen.


Den Anfang machen die zwei Jungs, die schon seit März hier sind.

Wir heißen Abubakke und Atequllah Noori und kommen aus Afghanistan (nahe Kabul). Nach zwei Monaten Flucht auf der Balkanroute kamen wir in die Flüchtlingsunterkunft Wasserburg, wo wir vier Monate gelebt haben. Seit Mitte März wohnen wir jetzt in Nußdorf. Wasserburg und Nußdorf sind sehr, sehr verschieden, deshalb fiel es uns anfangs wirklich schwer, uns im kleinen Nußdorf einzuleben. Inzwischen fühlen wir uns aber voll und ganz zuhause, haben viele sehr nette Menschen kennengelernt und fühlen uns pudelwohl. Wir lernen nun auch fleißig Deutsch – das ist aber total schwer und unsere Deutschlehrerinnen brauchen viel Geduld.
Der Fußballverein hat sich sehr um uns bemüht, aber Vereinsfußball ist für uns irgendwie nichts. Wir möchten uns aber beim SV Nußdorf bedanken, dass sie uns die Chance gegeben haben, das überhaupt festzustellen. Danke! Vor allem an Robert.
Auch ein Konzert der Musikkapelle wurden haben wir schon besucht und die Art der Musik war für uns völlig neu. Beeindruckend waren vor allem die Größe der Kapelle an sich und die Größe der Instrumente. Das Konzert hat uns wirklich gut gefallen und wir hoffen, wir dürfen wiederkommen.
Unser großer Wunsch war, endlich in Deutschland arbeiten zu dürfen. Vor kurzem durften wir die Männer vom Bauhof nach Kräften unterstützen. Das fanden wir toll: Endlich anpacken! Hoffentlich gibt es bald wieder Arbeit, die wir übernehmen dürfen.
Der einzige Wehrmutstropfen am sonst so wundervollen Nußdorf ist die schlechte Busverbindung. Vor allem, wenn wir Zeit haben (Samstags), fährt nachmittags einfach kein Bus.

Wir sind zwei kleine Familien aus Afghanistan: Hassan, Leila und Amir (2) und Saeed, Sima, Tabasom (17 Monate) und im August noch der kleinste Nachwuchs. Acht Monate Flucht haben wir hinter uns. Über hohe Gebirge und reißende Flüsse, mit Bus, Bahn und Schiff, vor allem aber zu Fuß. Wir waren so froh, als wir Deutschland endlich erreicht hatten. Dort wurden wir in den Turnhallen von Bruckmühl und Prien untergebracht. Nach sechs Monaten, in denen wir bereits ein wenig mit dem Leben in Deutschland vertraut gemacht wurden, erhielten wir die Nachricht, dass wir eine Wohnung beziehen dürften – in Nußdorf. Mitte Mai kamen wir dann hier an und wurden von Mitgliedern des Helferkreises freundlich empfangen. Dort lernten wir uns auch zum ersten Mal gegenseitig kennen. Wir verstehen uns alle sehr gut untereinander und möchten alles tun, dass wir auch mit unseren Mitbewohnern im Haus gut zurecht kommen.
Dabei und bei vielem anderen unterstützt uns der Helferkreis: die Wohnung fertig ausstatten, die deutsche Sprache und Verhaltensregeln lernen, die Eingliederung der Kinder in Tagesstätte und Kindergarten, Behördengänge, Fahrten zum Arzt, einkaufen …
Nußdorf ist sehr schön und wir fühlen uns sehr wohl hier und möchten uns schnellstmöglich einleben und gute Nachbarn sein.

One Comment

  1. Zweimal habe ich die beiden Familien begleitet, bin mit Ihnen zum Pfarramt Brannenburg gefahren, wo sie ihre Ausweise für die Brannenburger Tafel erhielten. Und heute (nur einen Tag später) begleitete ich die Familien zur besagten Tafel, wo sie Lebensmittel aussuchen konnten.
    Die Freude dieser Menschen ist nicht in Worte zu fassen, doch ihr Händedruck und ihre leuchtenden Augen sagten mehr als viele Worte.
    Ich werde Sie nächste Woche wieder nach Brannenburg begleiten.

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